Vorsitzende - Elisabeth Kruse-Schraknepper

„Die Person sickert Tropfen für Tropfen aus der Person heraus.“ Mit diesen Worten beschreibt Arno Geiger, was er unter Demenz versteht. Der 43-jährige österreichische Schriftsteller erhielt im Oktober den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands. In seinem berührenden Buch "Der alte König in seinem Exil" zeigt Arno Geiger, dass auch ein Leben mit der Alzheimer-Krankheit immer noch wert ist, gelebt zu werden, und dass der Mensch auch dann "ein Mensch bleibt mit seiner Vergangenheit, Eigenheit und Würde", wenn ihn eine solche Krankheit trifft. Das Thema Demenz ist in den vergangenen Jahren immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gelangt. Ein Seniorendienst Kümmern und So e.V. in Gifhorn hat sich schon sehr frühzeitig damit befasst.

„Von Anfang an gibt es uns als eingetragenen Verein" berichtet die Vorsitzende Elisabeth Kruse-Schraknepper. Seit 2003 hat der Verein zum Ziel, Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, und ihren Angehörigen Beratung, Begleitung, Betreuung und Unterstützung zu bieten. Dazu wird Geld von der Pflegeversicherung zur Verfügung gestellt. Die Betreuungsangebote umfassen inzwischen Beschäftigung, Beaufsichtigung, Spaziergänge, Gespräche, Vorlesen, Spiele, Einzelangebote nach Absprache sowie eine individuelle Beratung.

„Wir waren eine der ersten Einrichtungen in Niedersachsen, die ein niederschwelliges Betreuungsangebot vorgehalten haben, das anerkannt war", erinnert sich die Vorsitzende. Das tut auch ihre Stellvertreterin Marlies Dux, die sich bereits in der ersten ehrenamtlichen Helfergruppe engagierte und auch heute noch aktiv mitarbeitet. „Die ehrenamtlichen Laienhelfer haben stets das Fundament der Vereinsarbeit gebildet“, betont Kruse-Schraknepper. Daran hat sich nichts geändert. Schnell fanden sich Vereinsräume in der Braunschweiger Straße 137. Schüler der Oskar-Kämmer-Schule richteten die Räume her, die Sparkassen-Stiftung half bei der Möblierung.

Anfangs musste zunächst eine Akzeptanz für die Krankheit in der Öffentlichkeit geweckt werden. Inzwischen hat sich das völlig geändert: ca. 6.000 Einzelbetreuungsstunden leisteten die Helferinnen und Helfer insgesamt im Jahr 2011, hinzukommen die wöchentlichen Gruppenbetreuungsangebote, die 50 mal im Jahr stattfinden.

Auch die Einzelbetreuung daheim erfolgt durch qualifizierte Helferinnen. Diese ist sowohl für die Kranken als auch ihre Angehörigen eine echte Unterstützung. Für acht Euro in der Stunde kommen die Helferinnen ins Haus, betreuen und beschäftigen den Kranken, leisten aber ausdrücklich keine pflegerischen Dienste. Zuvor werden Interessierte beraten, dann prüft die Geschäftsstelle, welche Helferin oder welcher Helfer frei ist und Interesse hat. Im Ersterhebungsbogen werden die notwendigen Fakten festgehalten. Wie oft und wie lange die jeweilige Einzelbetreuung dauert, ist individuell unterschiedlich.

Das alles ist nur leistbar, wenn die Infrastruktur stimmt. Die hat sich bei Kümmern und so im Laufe der Jahre so gefestigt, dass der Ablauf reibungslos funktioniert. Nahezu 60 Helferinnen und Helfer stehen konstant zur Verfügung - allesamt ehrenamtlich. Der Verein zahlt eine Aufwandsentschädigung. Das Büro bietet als Service den Kontakt zu den Pflegekassen an, finanzielle Hilfen für den Verein gibt es von diesen Kassen und dem Land.

Kümmern und so steht aber nicht allein da. „Es gibt Vernetzungen", so Kruse-Schraknepper, „zum Beispiel mit der Alzheimer Gesellschaft." Grundsätzlich verstehe sich der Verein als ein zusätzliches Angebot zu den professionellen Anbietern. Auch da existiere durchaus ein Austausch. Um im Reigen der Anbieter mitzuhalten, ist eine entsprechende Qualifikation nötig.

Per Gesetz ist eine Schulung von 20 Stunden im Jahr vorgeschrieben. „Bei uns sind es 60 Stunden“, unterstreicht die Vorsitzende. Themen wie Krankheitsbild, Kommunikation, Rechtliches, Beschäftigung oder Hospitationen gehören zur Grundausbildung. Weitergehende Schulungen werden sechsmal im Jahr angeboten und dienen der Qualitätskontrolle. In Runden zum Gedankenaustausch werden Anregungen vermittelt, wie der Umgang mit den betreuten Kranken zu optimieren ist.

Das Gros der Helferinnen und Helfer ist zwischen 50 und 60 Jahre alt. Ihr Antrieb resultiert meist aus einer persönlichen Erfahrung heraus. Wer mitarbeitet, von dem wird erwartet, dass er Vereinsmitglied wird. Dafür wird immer versucht, ihn möglichst wohnortnah einzusetzen.